Selbst Medien, die mit einem seriösen Anspruch wahrgenommen werden wollen, sind davon nicht ausgenommen. Auch bei der FAZ ließen die Herausgeber, die für die Ausrichtung des Blattes verantwortlich sind, einen Bericht durch, der von persönlichen Beleidigungen nur so wimmelte. Wie konnte es sein, dass bereits im August 2015 die FAZ einen Beitrag unter der Überschrift „Das Geheimnis des Trumpismus“ von Markus Günther veröffentlichte, in dem Donald Trump als steinreich, rotzfrech und als „Ekelpaket erster Klasse“ bezeichnet wurde. In diesem Stil sollte eine anspruchsvolle Zeitung nicht berichten. Nur so nebenbei war der Artikel auch in der Sache völlig inkompetent: Mit der Aussage, Trump „wird zwar niemals amerikanischer Präsident“, irrte sich das Blatt bzw. sein Autor ganz gewaltig.
Aber auch andere deutschen Medien übertrafen sich mit persönlichen Beleidigungen: Vulgäres Rauhbein, Kotzbrocken, Super-Nova Feuerball Trump, Trampel oder Trumpf – mit solchen Gehässigkeiten disqualifizieren sich die Medien aber nur selbst. Sie sollen ja unbenommen kritisch berichten und kommentieren, aber nie unterhalb der Gürtellinie. Behauptungen wurden aufgestellt oder übernommen, die letztendlich nie bewiesen wurden: Fake News einmal umgekehrt…Sybillinisch überschrieb z.B. eine deutsche Zeitung einen Artikel mit der Frage „Donald Trump – ein Psychopath“? Selbst die früher konservativ-bürgerliche Tageszeitung „Die Welt“ kommentierte jüngst Trumps Interview mit der britischen „The Times“ und BILD unter der Überschrift „Soll er doch. Er kann uns mal“. Dabei war die Überschrift sogar im Vergleich zum Inhalt noch harmlos. Solche „Aufmacher“, die fast schon an niedrige Instinkte appellieren, wären bei dem großen Verleger Axel Springer schlicht undenkbar gewesen.
Beleidigungen und Anwürfe z.B. auch gegen die Familie Trumps sind kein Markenzeichen für eine seriöse Presse. Aber unverschämte Berichte sind leider in Deutschland Mode geworden, wenn nur an die persönlichen Angriffe gegen Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán erinnert werden darf, nachdem dieser Grenzzäune an Ungarns Grenzen errichten ließ. Alles, was nicht in den politischen Mainstream passt, wird niedergemacht.
Fauxpas von Josef Joffe (Zeit-Herausgeber)
Der größte Skandal jedoch war die ARD-Sendung „Der Presseclub“ vom 22.1.2017 u.a. mit dem Zeit-Herausgeber Josef Joffe. Nachdem eine Zuschauerin die Frage stellte, wie man Trump vom Präsidentenamt wieder entfernen könne und die ebenfalls teilnehmende Publizistin Constanze Stelzenmüller erläuterte, dass ein Amtsenthebungsverfahren aufgrund der hohen Hürden in der amerikanischen Verfassung wohl ausscheide, hat Josef Joffe allen Ernstes als Alternative den Satz „Mord im Weißen Haus“ eingeworfen. So heizt man Stimmungen auf. Über diesen unglaublichen Satz hat die Presse weitgehend geschwiegen. Dies ist vielleicht der gleichrangige Skandal. Man stelle sich einen derartigen Satz von einem AfD-Vertreter vor. Eine Presse die sich gegen den Vorwurf der Lügenpresse wehrt, kann mit dem Vorwurf auch passiv konfrontiert werden, indem sie wichtige Nachrichten – und die Ungeheuerlichkeit von Josef Joffe war so eine – ignoriert.
In Zeiten des Verfalls guter Sitten mögen Überschriften und Meldungen mit einem Charakter der Beleidigung vielleicht bei vielen Menschen als Zeitgeist ankommen – mit Sicherheit aber nicht bei seriösen Beobachtern außerhalb unseres Landes. Insofern schaden sich die deutschen Medien nur selbst. Die großen Zeitungs- und Magazinmacher Hans-Hermann Tiedje (u.a. langjähriger BILD-Chefredakteur) und Helmut Markwort (Fakten, Fakten, Fakten, Focus) beklagen zurecht den Verlust der redaktionellen Qualität, weil Journalisten heute in erster Linie ihre politisch geprägten eigenen persönlichen Haltungen in einem Betroffenheitsjournalismus transportieren. Die ausgewogene Berichterstattung bleibt auf der Strecke. Verleger haben leider nicht mehr die Kraft, unter dem Deckmantel der journalistischen Unabhängigkeit Fehlentwicklungen in ihren Blättern abzustellen. Auch die früher in der Presse übliche „Schonfrist“ von drei Monaten für Mandatsträger (nach der Übernahme eines politischen Amtes), scheint keine Gültigkeit mehr zu besitzen.
Wie viel Schutz bietet Amerika?
Die deutsche pauschale Medienschelte – bereits wenige Tage nach der Vereidigung – gegenüber dem neuen Präsidenten ist auch im Interesse Deutschlands schädlich. Die Vorgänge werden in der amerikanischen Administration natürlich genau registriert. Freundschaft erwirbt man sich mit Beleidigungen grundsätzlich nicht. Machen wir uns nichts vor. Das amerikanische Volk ist patriotisch eingestellt – unabhängig davon, ob die Demokraten oder die Republikaner den Präsidenten stellen. Ohne die amerikanische Schutzmacht kann man die globale Sicherheit Europas vergessen. Dies müsste auch in deutschen politischen Köpfen – auch in den Redaktionsstuben – klar sein. Einerseits, so das ZDF-Heute-Journal vom 30.1.2017, mache man sich Sorgen, „wie viel Schutz dieses Amerika noch bietet“ und andererseits drischt man auf den obersten Repräsentanten der USA aber kräftig ein. Dies kann nicht funktionieren, den wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Warum, die provokative Frage sei erlaubt, sollen die Vereinigten Staaten z.B. Deutschland schützen, wenn erstens die Bundesregierung für die eigene militärische Sicherheit zu wenig unternimmt und zweitens der Schutzherr in der Person des amerikanischen Präsidenten hierzulande permanent beleidigt wird?
Polen hat dies verstanden. Bei einer Zeremonie anlässlich einer Truppenverlegung im polnischen Zagan sagte der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz „Gott segne den amerikanischen Präsidenten Donald Trump“ (ZDF-Heute-Journal). In Polen haben sie auch erkannt, dass sich die EU offensichtlich immer mehr entzweit und keineswegs nicht nur durch die Osteuropäer. Trump könnte bald durch die Realität bestätigt werden: Die EU zerfällt möglicherweise schneller als erwartet. Darüber – und warum dies so ist – müsste die deutsche Presse mehr aufrüttelnd schreiben. Sigmar Gabriel hat jetzt erstmals für das europäische Auseinanderdriften einen Namen genannt: Angela Merkel, die durch ihre Politik Europa spalte. Die größte Gefahr für Europas Zukunft ist jedenfalls nicht Donald Trump.
Widersprüche
Trump würde Mauern bauen und das Land abschotten. Dabei wird hier und heute gerne in der deutschen Öffentlichkeit und natürlich auch in der Politik verschwiegen, dass bereits unter den Präsidenten Clinton, Bush und insbesondere auch unter Präsident Obama ein gutes Drittel der 3.200 Kilometer langen Grenze zu Mexiko unüberwindlich mit zum Teil einbetonierten hohen Stahlträgern und armdicken Stahlröhren befestigt wurde. Dies konnte man schon 2010 – ein Jahr nach dem Amtsantritt Obamas – der Süddeutschen Zeitung in einem Beitrag unter der Überschrift „Die Verteidigten Staaten“ vom 17.5.2010 entnehmen. Nur so ganz nebenbei: Laut dem „Pew Research Center“, der Mexikanischen Regierung und der United States Customs and Border Protection befinden sich über 11,1 Millionen illegale Einwanderer in den USA – davon 5,9 Millionen aus Mexiko. Auch das EU-Land Spanien schottet sich in seiner Exklave Melilla in Marokko mit Grenzbefestigungen ab.
Und schließlich praktiziert die EU ebenfalls eifrig Strafzölle – zurecht übrigens gegenüber China beim Dumpingstahl (siehe den WirtschaftsReport-Beitrag „Doch Trump hat in vielem Recht“). Viele Trump-Gegner in den Medien und der Öffentlichkeit werden mit einem weiteren Widerspruch konfrontiert. Hundertausende Anti-TTIP-Protestanten müssten eigentlich Hurra schreiben, denn Trump will genau das, was die Protestierer wollen – kein TTIP-Abkommen.