Zwar gehen sie diesmal die Automobilwirtschaft nicht direkt an. An den Pranger stellen sie vielmehr die Bundesregierung, die dafür verantwortlich sei, dass die notwendigen Investitionen für den Durchbruch des Elektroantriebes unterblieben. Dies stimmt zwar nicht, denn bereits im Jahr 2014 haben die deutschen Hersteller 17 Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht. In keinem anderen Land steht den Kunden eine solche Vielfalt der Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Aber indirekt greifen die Grünen dann doch die deutschen Autohersteller an, indem sie eine „Kumpanei“ zwischen der Autoindustrie und der derzeitigen Bundesregierung unterstellen. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, forderte einen schnellen Umstieg in die Elektromobilität. „Die deutsche Autoindustrie muss raus aus der Dieselfalle.“
Autos brauchen Weltmärkte
Aber auch hier, bei der automobilen Zukunft, zeigen die Grünen nur, dass sie sich medienwirksam profilieren wollen. Denn ein Automobil, Made in Germany, muss auch ein globales Produkt für die Weltmärkte sein, nicht nur für Deutschland. Und ob sich auf den Weltmärkten überhaupt der Elektroantrieb großtechnisch durchsetzen wird, ist noch die große Frage. Deshalb ist die Zurückhaltung der Automobilindustrie durchaus zu verstehen. Wer wird – Kaufprämie hin oder her – schon ein relativ teures Fahrzeug kaufen, wenn die Reichweite bei einer Tagesfahrt noch nicht einmal von München bis Zürich reicht? Und kein verantwortliches Unternehmen wird im großen Maßstab in die dazugehörige Infrastruktur investieren, wenn etwa das benachbarte Ausland auf andere Technologien setzt. Der Elektroantrieb ist derzeit in Deutschland ein Hype. Er ist vor allem im globalen Maßstab derzeit ein unbedeutendes fast noch exotisches Nischenprodukt. Noch ist längst nicht entschieden, ob sich nicht doch die Brennstoffzelle durchsetzt. Vor allem die japanischen Autohersteller sehen im Brennstoffzellenantrieb die bessere Technik für die Zukunft der Mobilität.
Die ganze Diskussion erinnert in Deutschland an die Einführung der Videorecorder-Systeme in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der damals noch bedeutende deutsche Marktführer Grundig setzte zusammen mit Philips auf das System Video 2000 mit der vermeintlich unschlagbaren Wendekassette. Es war sogar ein brillantes System und unterlag dennoch dem japanischen VHS-System, weil die Japaner bereits in der Unterhaltungselektronik die Vorherrschaft hatten. Solange auf den großen Automärkten USA, Europa und Asien noch nicht klar ist, wohin als automobile Alternative im Antrieb die Reise geht, solange wäre es unverantwortlich und unternehmerischer und volkswirtschaftlicher Selbstmord, die Verbrennungsmotoren – und selbstverständlich somit auch den Diesel – abzuschreiben. Ganz abgesehen davon, dass der Diesel durch seine Sparsamkeit hilft, CO2-Emissionen zu reduzieren und somit dem Klima einen Gefallen zu tun.
Auf die deutschen Grünen kommt es in der Welt noch lange nicht an. Und so ganz nebenbei: Wie wollen es Hofreiter & Co künftig halten, wenn Millionen Urlauber aus dem Ausland auf deutschen Transitstrecken ihre Dieselfahrzeuge bewegen? Es werden auch 2036 Dieselfahrzeuge – trotz populistischer grüner Forderungen – auf deutschen Straßen fahren.