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Der Vorstand und die Kommunikation von Deutschlands größter Bank werden mit einem Imagedesaster konfrontiert:

Der Vorstand und die Kommunikation von Deutschlands größter Bank werden mit einem Imagedesaster konfrontiert: Pixelio

Deutsche Bank hat viel Ärger durch spektakuläre Anklagen und Prozesse

Vor wenigen Wochen hat eine führende deutsche Wirtschaftszeitung der Deutschen Bank attestiert, dass es am guten Ruf des Institutes nichts zu deuteln gäbe. Die Zahlen und die Kontakte in die Politik seien erstklassig. Dies darf aber angesichts der zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen, in denen die Bank verwickelt ist, bezweifelt werden. Innerhalb kürzester Zeit wurde jetzt die Bank mit zwei Klagen aus den Vereinigten Staaten konfrontiert, und diese haben es in sich, denn zumindest der Kläger Vereinigte Staaten von Amerika übertrifft die Macht der Deutschen Bank um Welten! Harmlos sind die Anschuldigungen der amerikanischen Administration nicht. Immerhin ist es das Justizministerium der USA, das vom Streitvolumen her eine „gewaschene“ Klage, die locker die Dollar-Milliardengrenze überschreiten kann, einreichte. Die Deutsche Bank, so die Ansicht der US-Regierung, habe jahrelang unverantwortlich bei der Kreditvergabe gehandelt.

Und auch aus der amerikanischen Westküste ziehen für Deutschlands Bankenbranchenführer bitterböse Gewitterwolken auf. Immerhin ist es die nach New York zweitgrößte Stadt des Landes, Los Angeles, die über die Staatsanwaltschaft Los Angeles dem Institut vorwirft, Bürger unrechtmäßig aus ihren Häusern getrieben zu haben. Dies alles ist starker Tobak für das Ansehen der Bank, die auch von der amerikanischen Versicherungsgesellschaft Allstate und einer amerikanischen Regionalbank vor die Justiz gezogen wird. Die Karten sehen schlecht aus für die Deutsche Bank, zumal auch ein Untersuchungsbericht des amerikanischen Senates der Bank Interessenskonflikte vorwirft. Bereits Ende 2010, kurz vor Weihnachten, berichtete die Tagesschau, dass die Deutsche Bank in einem anderen Streit mit den amerikanischen Behörden – es ging um illegale Steuermodelle – 553,6 Millionen US-Dollar zahlte. Die Deutsche Bank bestätigte die Zahlung und zeigte sich mit dem Ergebnis des Kompromisses mit den Amerikanern zufrieden.

Kleinere Strafen und Entschädigungen – aber insgesamt auch über 2,3 Millionen Pfund – musste die Deutsche Bank zu Jahresbeginn 2011 im Vereinigten Königreich zahlen und selbst im fernen Südkorea bekam die Bank eine Strafe wegen Verstöße gegen die Börsenregeln aufgebrummt. In Deutschland hat der Bundesgerichtshof die Deutsche Bank in einem Verfahren, das ein Mittelständler bis vor das oberste deutsche Gericht durchgezogen hat, zum Schadenersatz wegen riskanter Zinswetten verurteilt. Die Richter fordern vor allem mehr kompetente Beratung für die Kunden. Hier argumentiert die Bank immer noch vom hohen Ross – man habe angemessene Risikovorsorge getroffen. Als ob es darauf angesichts des Image-Supergau ankommt.

Negative Schlagzeilen

Schon häufen sich die negativen Schlagzeilen auch in der seriösen Presse. „Die Deutsche Bank gerät auf der ganzen Welt ins Visier der Justiz“, überschrieb die Frankfurter Allgemeine einen größeren Bericht und im „Münchner Merkur“ wurde die Forschungsdirektorin Finanzmärkte des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung, Dorothea Schäfer, mit ihrer Aussage, „Deutsche Bank muss an ihrem Ruf arbeiten“, in der Überschrift zitiert. Und schließlich titele „Die Welt“ vor wenigen Tagen „Deutsche Bank kämpft um ihr Ansehen“! Zu allem Übel nimmt derzeit auch noch das OLG München im Umfeld des Kirch-Prozesses die Deutsche Bank in die Bredouille. Immer stärker wirft die schier unendliche Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Medien-Großunternehmer peinliche Fragen an die Deutsche Bank auf. Zwar hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, aber das Bild der Bank, das die Öffentlichkeit, die Kunden der Bank und natürlich auch die Justiz in München jetzt auch durch die weltweiten Auseinandersetzungen präsentiert bekommen, lässt Zweifel über die Seriosität der Bank aufkommen. „Es kommt ein klein wenig viel bei der Deutschen Bank zusammen“, sagte vielsagend ein Beobachter der Szenerie.

Tatsächlich ist selbst der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Clemens Börsig, über das derzeitige juristische Umfeld der Deutschen Bank höchst unglücklich und besorgt. In der Tat sind die Anklagen aus den Vereinigten Staaten auch deshalb sehr gefährlich, weil just in diesen Tagen vor dem OLG in München eine neue Runde Kirch gegen die Deutsche Bank eingeläutet wurde. Hochkarätige Repräsentanten der Bank, vom Aufsichtsratsvorsitzenden bis zum Vorstandschef Josef Ackermann, mussten jetzt in den Zeugenstand. Seit neun Jahren schon geht es um Schadenersatzansprüche von Kirch, der sich darauf beruft, dass seine Firma letztendlich den Todesstoß durch die unbegreifliche Geschwätzigkeit des ehemaligen Vorstandschefs der Deutschen Bank, Breuer, erhielt. Grundsätzlich haben nämlich Äußerungen eines Vorstandschefs der Deutschen Bank die Qualität der „höheren Weihen“.

Jeder kleine Banklehrling bekommt eingetrichtert, dass das Bankengewerbe vor allem diskret sein muss – und dann „plauderte“ der ehemalige Vorstandschef Breuer über die Kreditwürdigkeit eines Großkunden namens Kirch in der Öffentlichkeit. Schon allein diese Tatsache ist ungeheuerlich. Leider scheint die Geschwätzigkeit der Topmanager der Deutschen Bank ungebrochen zu sein, wenn man bedenkt, dass auch der amtierende Vorstandschef Josef Ackermann – (Link „Wenn der Boulevard Volkswirtschaft spielt“) vom 20. Mai des Vorjahres 2010 – genau vor einem Jahr die Rückzahlfähigkeit Griechenlands sehr zum Ärger auch der Bundesregierung öffentlich angezweifelt hat.

Was wir derzeit im Umfeld der Deutschen Bank erleben, korrespondiert nicht mit den guten Zahlen der Bank. Für das laufende Geschäftsjahr 2011 peilen die Deutschbanker sogar einen neuen Rekordgewinn an. So kündigt Josef Ackermann, der in seiner bodenständigen Heimat im Kanton St. Gallen als volksnah gilt, in einem Brief an die Aktionäre der Bank folgendes an: „Der erfolgreiche Start in das Geschäftsjahr bestärkt uns in der Erwartung, unser ehrgeiziges Vorsteuergewinnziel von zehn Milliarden Euro für 2011 in unseren operativen Geschäftsbereichen zu erreichen.“ Insofern wird die Bank finanzielle Auswirkungen der laufenden Verfahren wohl abfedern können. Aber der gewaltige Imageschaden und das schwindende Vertrauen, die negativen Schlagzeilen auch in Deutschland, der jahrelange Prozess mit Kirch – all dies ist in höchstem Maße für die Deutsche Bank eine mittlere Katastrophe. Nochmals wiederholen wir: Es kommt ein klein wenig viel zusammen…

Es ist für ein führendes Finanzinstitut nicht gut, wenn ihm der Ruf eines Prozesshansel anhängt. Irgendwann wird aus einem Imageschaden auch ein finanzieller Aufwand, der als Schadenersatz auch einer großen Bank richtig wehtut. Vom Verlust des Vertrauens ganz zu schweigen. Schon von dem legendären Robert Bosch, Gründer der gleichnamigen und weltweit erfolgreichen Firma, könnte die Bank von dessen These viel lernen: Geld kann man verlieren – aber nie Vertrauen!

 

Letzte Änderung am Montag, 13 Februar 2017 17:59
Günter Spahn

 Herausgeber und Chefredakteur Zielgruppen-Medien Verlag